Kategorie: Rezension
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„Böll kam nicht nach Troisdorf“ von Andreas Fischer
„Wenn Vater an den Maschinen arbeitet, trinkt er keinen Schnaps.“S.148 Manchmal kommt die Post nicht an. Manchmal kommt sie zurück. Und manchmal kommt sie als Schuber mit drei Bänden, die ungelesen im Regal verstauben, bis sie Jahrzehnte später entsorgt werden. Mit einer solchen Geste der unbeantwortet bleibenden Annäherung an den großen Bruder im Geiste beginnt…
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„Eine Liebe ohne Sommer“ von Timothy Paul
„Du bist jetzt fast nicht mehr da, und irgendwie doch noch.“ (S. 96) Es beginnt mit Schmetterlingen und neckenden Freundinnen, die Mr. New endlich kennenlernen wollen. Eben wie Liebesgeschichten so beginnen, mit Kribbeln und Vorfreude, mit jenen ersten Wochen, in denen alles möglich scheint und nichts gewiss ist. Rosa und Nikolas verlieben sich, und keiner…
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„Wilde Häuser“ von Colin Barrett
„Jeder Junge, jedes Kind ist fähig zu Grausamkeit, wenn Gelegenheit und Umstände zusammenpassen…“ Seite 117 In der westirischen Kleinstadt Ballina, an jenem äußersten Rand des Kontinents, an dem das Land sich der Atlantikküste entgegenstemmt, lässt Colin Barrett seinen Debütroman spielen. Es ist ein Wochenende im Spätsommer, das Salmon Festival steht bevor, und am Freitagabend öffnet…
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„Rückverwandlung“ von Marcus Hammerschmitt
„Aber so ist der Mensch; er denkt nur, was ihm gefällt“ Seite 6 Schon der Titel ist ein Versprechen, das sich nicht einlösen lässt. Rückverwandlung, das klingt zunächst nach Märchen, nach dem Kuss, der den Frosch wieder zum Prinzen macht, nach den Schwänen, die zu Elisas Brüdern werden, nach jener Erlösung, die das Volksmärchen so…
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„Don‘t miss the Clitoris“ von Prof. Dr. Mandy Mangler mit Esther Kogelboom
Eine Bedienungsanleitung Der Klappentext bringt es auf den Punkt: Frauen wollen nicht weniger Sex als Männer, sie wollen oft nur nicht den Sex, der ihnen geboten wird. Mit diesem Satz ist die Stoßrichtung des Buches präzise benannt, und Mandy Mangler sowie Esther Kogelboom halten, was diese Ankündigung verspricht: eine wissenschaftlich fundierte, dabei erfrischend unterhaltsame Erkundung…
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„Widdersehen“ von Leonie Swann
Und was wie die Weide riecht, muss die Weide sein. Seite 28 Sechzehn Jahre nach „Garou” und gut zwei Jahrzehnte nach dem Erfolg von „Glennkill” kehrt Leonie Swann zu ihrer berühmten Herde zurück. „Widdersehen”, erschienen im April 2026 bei DuMont, ist der dritte Band einer Reihe, die seinerzeit ein literarisches Kunststück war und es geblieben…
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“Zerbrich mein nicht“ von Sibylle Reuter
„Meine Mutter starb, als sie noch ein halbes Jahr zu leben hatte. S. 197 Sibylle Reuters Debütroman beginnt mit einer Konstellation, die in ihrer Komplexität fast schon programmatisch für das Buch wirkt. Geboren wird die Erzählerin in Sofia, von einer Mutter, die Bulgarien hasst, und einem ostdeutschen Vater im diplomatischen Dienst, der bald aus dem…
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„Laute Nächte“ von Anna Freytag
„Ich war 19, als ich gestorben bin.” (S. 301) Dieser Satz fällt nicht am Anfang des Romans, er fällt fast beiläufig und am Ende. Es ist Kenni, der ihn denkt: ein junger Neunzehnjähriger, dessen Freundin Jasmin bei einem Autounfall ums Leben kam, der seit diesem Moment nicht mehr weiß, wer er eigentlich ist und ob…
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„Die Puppe“ von Tanja Raich
„Die ideale Frau ist die passive Frau.“ Seite 35 Sie ist aus Wachs geformt worden, aus Knochen geschnitzt, aus Stoff genäht, aus Porzellan gebrannt und schließlich in Kunststoff gegossen. Die Puppe ist eines der ältesten Spielzeuge der Menschheit, und sie hat überlebt: Kriege, Moden, Ideologien, Emanzipationswellen. Tanja Raich, Lektorin, Romanautorin und feministische Herausgeberin aus Wien,…
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„Weißer Sommer“ von Eva Pramschüfer
„Alles, was wild und frei ist, ist rot“. S. 73 Es gibt Sommer, die sich entfärben. Die ihre Wärme, ihre Farben verlieren, noch bevor man benennen kann, warum. Eva Pramschüfer, Jahrgang 1997, Journalistin und Debütautorin, nennt ihren Roman „Weißer Sommer” und lässt das Weiß für eine Leere stehen, ein Ausbleichen aller Farben, das schon begonnen…
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„Karacho“ von Susanne Schirdewahn
„Ich lasse das Leben zu.“ S.154 Sie sitzt am Fenster, schaut in die Wolken. Gerade ist er gefallen, dieser Satz: Ich liebe dich nicht mehr. Susanne Schirdewahn setzt ihre Protagonistin in diesem einen Moment aus, bevor alles beginnt. Kein Anlauf, kein Vorzeichen. Nur die Stille nach dem Einschlag. Das ist ganz nach meinem Geschmack, und…
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„Gelbe Monster“ von Clara Leinemann
„Ich habe meinen Freund geschlagen.“ Seite 61 Sie sitzt in der Straßenbahn, das Gesicht deformiert, ein blaues Auge überschminkt, und fährt zum Antiaggressionstraining. Charlie, Mathematik-Masterstudentin, kurz vor dem Doktorat, Postdoc-Angebot in Madrid in der Tasche. Eine Frau mit Zukunft. Und mit einem Problem, das sie sich zunächst vehement weigert, als ihres anzuerkennen. Wer von einer…

