Kategorie: Rezension
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„Und es wird trotzdem wieder Sommer werden“ von Sebastian Becker
„Du warst die kurze Zeit, in der ich angefangen habe, dich wirklich zu sehen. 172 „Es wird trotzdem wieder Sommer werden.“ (S. 94) Der Satz gibt dem Buch seinen Namen, taucht mittendrin auf, genau dort, wo aus dem Versprechen des Titels leise Hoffnung erwacht, die sich die Texte erst erarbeiten mussten. Ein Anruf. Intensivstation. Der…
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„Der Tod der schönen Rehböcke“ von Ota Pavel
„… was immer in seinem Leben er auch lenkte, es fiel katastrophal aus.“ (S. 25) Wer das liest, ahnt nicht, wie oft ihm das Glück in den nächsten Geschichten zuzwinkern wird. Es sind insgesamt Acht Geschichten von einem Familienschicksal. Sie werden episodisch erzählt. Der schmale Band folgt Leo, einem Mann und den Seinen durch die…
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„Bellende Katzen“ von Eka Kurniawan
„Du bist ein frommes Kind. Es wird Zeit zu beten.“ (S. 125) Zwei Sätze, die keinen Widerspruch zulassen. Eine Feststellung wie ein Befehl, der nicht verhandelbar erscheint. Schon hier steht fest, worum es in diesem Roman geht: nicht um Glauben, sondern um die Identität, die ihm übergestülpt wird, in Form von Ritualen, die ihn seiner…
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„Der Schuh“ von Rebecca María Salentin“
Rezensionsexemplar »Würde ich meine Schuhe chronologisch nebeneinander aufstellen, könnte man meine Persönlichkeitsentwicklung anhand von wechselnden Formen, Farben, Materialien, Stilrichtungen und Funktionen dieser langen Schuhparade nachvollziehen« (S. 8), schreibt die Autorin Rebecca Maria Salentin und beschreibt über die eigene Schuhsammlung einen Teil der Chronologie, an der sich eine Kulturgeschichte des Schuhwerks entlangarbeitet. Schuhe sind Archive. Am…
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„Selbstregulierung des Herzens“ von Peggy Mädler
„Dynamische Systeme sind Systeme, die sich unter äußeren Einwirkungen zeitlich verändern.“ (S. 47) Dieser Satz, der wie ein Zitat aus einem Fachbuch klingt, ist tatsächlich als „Bauplan“ zu verstehen, nach dem Peggy Mädlers Roman konstruiert ist. Was hier als kybernetische Definition eingeführt wird, ist zugleich das Modell, mit dem Georg, Roland und Marlies sich selbst,…
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„Anton und Alma“ von Dana Vowinckel
Ein normaler Jude zu sein bedeutete, kaputt zu sein. Nicht normal zu sein. Es gab keine normalen Juden. (S. 182) Was wie ein beiläufiger Gedanke Antons klingt, legt bereits die Grundspannung des Romans offen: eine Identität, die sich stets vom Ausnahmezustand her definiert, nie vom Normalfall. Anton und Alma begegnen sich zweimal, als Jugendliche in…
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„1999 Meter über dem Meer“ von Caroline Wahl
„Ich will reich sein, unabhängig und frei.” (S. 65) Ein Wunsch, der sich selbst schon unterläuft, kaum dass er ausgesprochen ist: drei Adjektive ohne Objekt, eine Formel, die eher benennt, was Samara nicht mehr sein will, als was sie werden könnte. Nicht die Bestimmung eines Ziels grundiert diese Bewegung, sondern das fortwährende Verlassen des Vorherigen,…
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„Öffentlicher Nahverkehr“ von Thea Mengeler
Aber Love Stories enden immer da, wo der Alltag anfängt, Seite 33 Judith steigt in einen Bus, nachdem ein intimes Video über sie veröffentlicht wurde, und damit aus ihrem bisherigen Leben zugleich aus. Kein überlegter Rückzug, eher eine Flucht, aus einem Beruf, an dem sie Spaß und mit dem sie gut verdient hatte: Dieses Abtauchen…
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„Memoires of Heidelberg“ von Heinz Strunk
„Siebzehn Jahre Ehe haben ihre Konversation auf ein Minimum eingedampft.” (S. 18) Bertram und Isolde haben das Reden längst durch Routine ersetzt. Ihre Ehe haben sie einen schleichenden Verstummen ausgesetzt, die nur an der Oberfläche weiterfunktioniert. Manche Ehen sterben nicht, sie verwesen bei laufendem Betrieb, und niemand schließt den Laden. Der Anlass ihrer Reise nach…
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„Frauen im Sanatorium“ von Anna Prizkau
„Die Seele besiegt den Körper immer.“ S.72 „Erzählen als Therapie, als Täuschung, als Überleben.” So bringt es Marlen Hobrack in der Welt am Sonntag auf den Punkt (14. Dezember 2025), eine Dreiteilung, die eine Diagnose für diese Lektüre anbietet, an dem sich jede der Frauen in Prizkau‘s „Sanatorium der Frauen“ messen lässt. Was als Heilung…
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„Tschikago“ von Alexandra Stahl
„Doch ned widder der Scheiß.” (S. 18) Schon in diesem einen Satz, breit unterfränkisch grundiert, steckt das ganze Großelternpaar: der tägliche Krach, der nie zum Bruch taugt, sondern sich, Abend für Abend, in eine Formel für gemeinsames Altern verwandelt. Hier die Großmutter, die jede Katze des Dorfes füttert. Dort der Großvater, der Schrott sammelt, um…
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„Keine Angst, Darling“ von Vera Buck
„Der Rückweg ist ungewiss. Sende Hilfe, Obi Wan.” (S. 28) Schon in dieser Textnachricht, die sich hinter einem Popkultur-Zitat versteckt, liegt ein Hilferuf, der sich nicht traut, einer zu sein, sondern sich in Ironie kleidet, um unter der glatten Oberfläche eines perfekten Lebens unsichtbar zu bleiben. Gesendet wird er von Lea an die Schwester Paula,…

