Kategorie: Highlights
-

„Karacho“ von Susanne Schirdewahn
„Ich lasse das Leben zu.“ S.154 Sie sitzt am Fenster, schaut in die Wolken. Gerade ist er gefallen, dieser Satz: Ich liebe dich nicht mehr. Susanne Schirdewahn setzt ihre Protagonistin in diesem einen Moment aus, bevor alles beginnt. Kein Anlauf, kein Vorzeichen. Nur die Stille nach dem Einschlag. Das ist ganz nach meinem Geschmack, und
-

„Das war nicht anders möglich“ von Adrian H. Koerfer
„Bei uns regierten nur Geld und Kälte.“ S 29 Der Titel des Buches ist auch der letzte Satz im Buch. Dazwischen liegt ein Martyrium. Der Autor, Adrian H. Koerfer, Jahrgang 1955, Kunsthistoriker, Germanist, Träger des Bundesverdienstkreuzes, legt mit diesem Memoir keine literarische Fingerübung vor. Er legt Zeugnis ab. Über eine Kindheit, die ihren Namen kaum
-

„Es war nicht anders möglich“ von Svenja Liesau
„Verlust ist auch bloß eine Challenge, die es zu meistern gilt.“ S.20 Berliner Nächte haben eine eigene Grammatik. Man betritt eine Eckkneipe, ruft ein lautes „Nabend” in den Raum und ist drin. Unaufgefordert segelt eine Weißweinschorle und ein Wodka auf den Tisch. Die Stammtrinker nicken. Die Stammtischphilosophen schwafeln im breiten Berliner Dialekt vom Rand der
-

„Der Fährmann“ von Regina Denk
„Für uns Weiber geht es immer ums heiraten, weil uns nichts gehört, ohne heiraten, weil wir nichts zu sagen haben, außer, wenn es um die Kinder geht, weil wir ohne Heirat allein, eine einzige Last sind für alle um uns herum.“ Seite 83 Es erinnert an jenes berühmte Lehrbuch aus Harry Potters Hogwarts-Bibliothek: das Monster
-

„Elbland“ von Claudia Rikl
Was uns am meisten schmerzt, sind verpasste Gelegenheiten.” S. 226 Dieser so wunde Satz zieht sich wie ein rotes Band durch diesen Roman. Claudia Rikls Roman *Elbland* beginnt mit einem Tod und endet mit dem Versuch, ein Leben zu verstehen — das einer Mutter, einer Familie, einer Generation, die von der Geschichte zerrissen wurde, bevor
-

„Abseits“ von Ulrich Rüdenauer“
„Ein angekündigter Schmerz ist unermesslich. Ein plötzlicher ist kaum der Rede wert. Seite 100 Ein Detail erschloss sich erst beim Zuklappen des Buches: die Doppelbedeutung des Titels „Abseits“. Doch es soll bei der naheliegenden Lesart belassen werden, um den Reiz jener zweiten Bedeutung nicht vorwegzunehmen. Im Zentrum steht der neunjährige Richard, der von sich sagt:
-

„Salto von Kurt Prödel“
„Nehmen Sie sich kein Leben vor, dass sie ohnehin nicht haben wollen. Seite 232 Schon auf den ersten Seiten atmet einen dieses Buch warm an. Es ist keine demonstrative Wärme, sondern eine leise, beinahe beiläufige Geste der Zärtlichkeit. Die Vater-Sohn-Liebe liegt über allem wie eine Decke, unter der man noch etwas Kälte spürt, denn eine
-

„Das schönste aller Leben“ von Betty Boras
„Vielleicht würde Vio ein deutsches Kind werden, wie alle anderen. Seite 69 „Das schönste aller Leben“, Dieser Titel klingt wie ein Segensspruch. Man flüstert ihn Neugeborenen zu, man denkt ihn für sich selbst, man projiziert ihn auf die eigenen Kinder. Im Roman von Betty Boras ist er keine Verheißung, sondern eine Prüfung. Er fragt eher
-

„Blender“ von Anke Engelmann
„„Ich war siebzehn und hatte den Rausch entdeckt. Er gefiel mir besser als die Wirklichkeit. Seite 42 Es gibt Romane, die erzählen Geschichte. Und es gibt Romane, die lassen Geschichte fühlen wie klebriges Polyester und den Kopfschmerz nach zu viel Rosenthaler Kadarka. Anke Engelmanns Blender ist beides zugleich: Schelmenroman und Tragikomödie. Der Roman erzählt vom
-

„Im Paradies“ von Dorota Masłowska
„Mama geht mit klapperndem Besteck ab, ihre Brauen wollen weg aus dem Gesicht, irgendwohin, wo die Leute weniger bescheuert sind. Seite 9 Dorota Masłowskas kurze Prosa in dem Band „Im Paradies“ kennt keinen gemächlichen Eintritt. Ihre Geschichten umkreisen sprachlich wunde Punkte, die der Lesende nur dann in sich freilegt, wenn er sich nicht allein intellektuell,
-

„Gromzell“ von Dirk Bernemann
„Ganz Gromzell ist eine geschlossene Gerontopsychiatrie …“ (S. 24) Dirk Bernemanns Gromzell beginnt wie ein Prospekt aus dem Tourismusbüro. Ein Dorf mit etwas über 1000 Seelen, eingebettet zwischen dichtem Wald und einem Hausberg, der über allem thront und Sicherheit verspricht. Reine Bergluft, reine Herzen, reine Traditionen. Man ist gottesfürchtig in Gromzell und wo der Glaube


