Kategorie: Highlights
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„Verlorene Schäfchen „ von Madeline Cash
„Wenn sich ein Schaf verirrt, wird es meistens von Wölfen gerissen, weil es ohne die Herde schutzlos ist.“ (S. 118) Man verirrt sich selten auf einen Schlag. Man biegt ab, einmal, dann noch einmal, und irgendwann hält man den Umweg für den Weg. Die Schäfchen dieses Romans sind an diesem Punkt längst angekommen. Ihr Hirte,…
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„Mondblau“ von Fatma Mittler-Solak
„Ihr Traum war über die Jahre zu einem leeren Pustefix-Fläschchen geworden.“ (S. 76) Dieser Satz verrät schon, dass ein Traum ausgeträumt ist. Ein Traum, der einmal schillernd aufstieg, wie ein luftgefülltes Versprechen ist zerplatzt, nur ein leeres Behältnis ist geblieben. Fatma Mittler-Solak erzählt in „Mondblau“ von einem Lebensentwurf der sich so nicht erfüllte. Ayla und…
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„Boulder“ von Eva Baltasar
„Das Leben, das nichts als eine Blumenwiese zu sein scheint, hat schon erste Löcher.“ (S. 10) Ein Satz des scheinbaren Idylls, dass gerade in Auflösung begriffen ist, bevor man sich darin einrichten kann. Eva Baltasars „Boulder“ ist nach diesem Muster gebaut: Jede Gewissheit trägt ihren Riss schon in sich. Boulder ist Selfmade-Köchin, in der Küche…
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„Alice“ von Marlen Mairhofer
„Alice will einfach aufhören zu weinen.“ (S. 69) Der Satz ist nach der Grammatik gebaut, nach der der ganze Roman funktioniert: ein Name, ein Verb, kein Kommentar. Die Besprechung von Marlen Mairhofer’s Debüt soll mit einem Wortspiel beginnen, das den Sturz von Lewis Carrolls Alice in den Kaninchenbau in seine Redewendungen zerlegt. Alice fällt hin, fällt…
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„das Tempo“ von Wiebke Porombka
„(P)aßt du nicht auf den Omnibus, fährt er dich zu Appelmus.“ S.32 Dass ein Großstadtroman seine Verkehrswarnung im Takt eines Kinderreims ausspricht, verrät bereits die Anlage des ganzen Essays: Tempo erscheint hier nicht als Fortschrittsbegriff, sondern als Rhythmus, der jederzeit zwischen Bedrohung und Pointe kippen kann. Seit einigen Jahren lädt der Grazer Literaturverlag Droschl in…
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„Liefern“ von Tomer Gardi
„Auf der Straße hassen Sie uns, weil wir zu schnell fahren, zu Hause hassen Sie uns, weil wir zu langsam sind.“ (S. 153) Der Satz adressiert uns als Kundschaft und kennt für seine Sprecher kein richtiges Tempo. Zwischen zu schnell und zu langsam liegt kein Ort, und genau dort arbeiten die Rider. Ein Tipp aufs…
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„Und es wird trotzdem wieder Sommer werden“ von Sebastian Becker
„Du warst die kurze Zeit, in der ich angefangen habe, dich wirklich zu sehen. 172 „Es wird trotzdem wieder Sommer werden.“ (S. 94) Der Satz gibt dem Buch seinen Namen, taucht mittendrin auf, genau dort, wo aus dem Versprechen des Titels leise Hoffnung erwacht, die sich die Texte erst erarbeiten mussten. Ein Anruf. Intensivstation. Der…
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„Selbstregulierung des Herzens“ von Peggy Mädler
„Dynamische Systeme sind Systeme, die sich unter äußeren Einwirkungen zeitlich verändern.“ (S. 47) Dieser Satz, der wie ein Zitat aus einem Fachbuch klingt, ist tatsächlich als „Bauplan“ zu verstehen, nach dem Peggy Mädlers Roman konstruiert ist. Was hier als kybernetische Definition eingeführt wird, ist zugleich das Modell, mit dem Georg, Roland und Marlies sich selbst,…
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„Anton und Alma“ von Dana Vowinckel
Ein normaler Jude zu sein bedeutete, kaputt zu sein. Nicht normal zu sein. Es gab keine normalen Juden. (S. 182) Was wie ein beiläufiger Gedanke Antons klingt, legt bereits die Grundspannung des Romans offen: eine Identität, die sich stets vom Ausnahmezustand her definiert, nie vom Normalfall. Anton und Alma begegnen sich zweimal, als Jugendliche in…
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„1999 Meter über dem Meer“ von Caroline Wahl
„Ich will reich sein, unabhängig und frei.” (S. 65) Ein Wunsch, der sich selbst schon unterläuft, kaum dass er ausgesprochen ist: drei Adjektive ohne Objekt, eine Formel, die eher benennt, was Samara nicht mehr sein will, als was sie werden könnte. Nicht die Bestimmung eines Ziels grundiert diese Bewegung, sondern das fortwährende Verlassen des Vorherigen,…
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„Memoires of Heidelberg“ von Heinz Strunk
„Siebzehn Jahre Ehe haben ihre Konversation auf ein Minimum eingedampft.” (S. 18) Bertram und Isolde haben das Reden längst durch Routine ersetzt. Ihre Ehe haben sie einen schleichenden Verstummen ausgesetzt, die nur an der Oberfläche weiterfunktioniert. Manche Ehen sterben nicht, sie verwesen bei laufendem Betrieb, und niemand schließt den Laden. Der Anlass ihrer Reise nach…
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„Mittelberge“ von Kerstin Specht
„Der Krieg ist ein Besen, er hat Leute auseinander – und zusammengekehrt.“S.119 „Sie schöpft Wörter ab / wie Rahm / Schmeckt an den Bedeutungen / die sind unerschöpflich” (S. 69) Dieser Vierzeiler, eingebettet in eines jener Gedichte, die den Roman kapitelweise unterbrechen, liest sich wie eine Selbstauskunft über dieses Buch. Kerstin Spechts erster Roman „Mittelberge”…

