„Dunkel Leuchten“ von Barbara Imgrund

Ein Gedichtband

Der Verlag edition federleicht hat den Gedichtband „Dunkel und Leuchten“ von Barbara Imgrund veröffentlicht .

Schon der Titel besticht durch seine Ambivalenz. Ein Leuchten erzeugt nur das Licht und wo Licht ist, weicht die Dunkelheit. Wo sie herrscht, verschluckt sie alles, macht uns schwer, macht uns zu Schatten.

In diesem Titel steckt bereits der Kern des Bandes: ihre Gedichte siedeln genau in diesem Riss, zwischen Stärke und Verletzlichkeit, zwischen dem Festhalten und dem Verlieren, zwischen dem Aufruhr und der Stille danach.

Imgrund ist Germanistin, Lektorin, Literaturübersetzerin Schriftstellerin und Lyrikerin. Was sie in diesen Gedichten zeigt, ist das Ergebnis eines aufmerksamen, zugewandten Lebens: Hospizarbeit, Tierschutz und politisches Engagement und natürlich die kleinen und die großen Erschütterungen im Privaten. 

Das alles fließt ein in ihre Poesie. Ihre Texte sind persönlich, sprechen vom Ich, um das Wir zu meinen.

Die Form ist ein gebundenes Reimschema. Das gibt dem Band eine Grundstruktur, die etwas Vertrauenerweckendes, ja Liedartiges hat. Lyrik in Reim und Takt kennen viele aus den Gedichten unserer literarischen Schulbildung. Sie atmen förmlich eine angenehme Erinnerung, erzeugen einen nostalgischen Reflex und bieten eine stützende Form.

Begleitet werden die Texte von Fotografien der Autorin selbst, und diese Verbindung ist mehr als Illustration. Bild und Gedicht gehen eine symbiotische Beziehung ein: Das eine liefert dem anderen eine leise Melodie, eine visuelle Tonspur, die das Motiv aufnimmt, die Stimmung trägt und den Nachklang durch die Bildbetrachtung verlängert. Das Buch ist in diesem Sinne ein Gesamtkunstwerk, ein Kaleidoskop, dessen Ansicht die Sinne anspricht.

Imgrund zeigt darin ihre Verletzlichkeit, ohne sie zu inszenieren. Manche Gedichte öffnen die Flanke so weit, dass man die Hand beschützend erheben möchte, und im nächsten Moment ist da diese Stärke, die sich selbst befreit, die eine Vision entwickelt, die anderen Halt gibt.

Melancholie dringt durch, wie sie sich in Schattenstunden Bahn bricht: Sorge um die Welt, um die so zerbrechliche Natur, um das Tier, um das, was am Ende des Tages wirklich zählt. Und dann, unvermittelt, politische Dringlichkeit: 

„Ein Übel zieht auf … es braucht eine Wehr … also: stehen wir auf.” 

Das ist keine verschlüsselte Chiffre, sondern ein klares Statement, kraftvoll und tagesaktuell, das zeigt, dass Imgrund ihre Texte nicht als Rückzugsort versteht, sondern als Ort der Haltung.

Diese Gleichzeitigkeit von Schutzlosigkeit und Widerstandskraft ist, was den Band, was ihre Lyrik ausmacht. 

Wer ihre Gedichte liest, wird hin und wieder ein Déjà-vu erleben, ein leises Wiedererkennen von Motiven und Klängen, die auch anderswo schon zu Hause waren. Auch das gehört dazu. Es ist das Zeichen, dass diese Dichterin in einem größeren Gespräch steht, das schon lange vor ihr begonnen hat.

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