Schlagwort: Selbstfindung
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„Der Schuh“ von Rebecca María Salentin“
Rezensionsexemplar »Würde ich meine Schuhe chronologisch nebeneinander aufstellen, könnte man meine Persönlichkeitsentwicklung anhand von wechselnden Formen, Farben, Materialien, Stilrichtungen und Funktionen dieser langen Schuhparade nachvollziehen« (S. 8), schreibt die Autorin Rebecca Maria Salentin und beschreibt über die eigene Schuhsammlung einen Teil der Chronologie, an der sich eine Kulturgeschichte des Schuhwerks entlangarbeitet. Schuhe sind Archive. Am…
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„1999 Meter über dem Meer“ von Caroline Wahl
„Ich will reich sein, unabhängig und frei.” (S. 65) Ein Wunsch, der sich selbst schon unterläuft, kaum dass er ausgesprochen ist: drei Adjektive ohne Objekt, eine Formel, die eher benennt, was Samara nicht mehr sein will, als was sie werden könnte. Nicht die Bestimmung eines Ziels grundiert diese Bewegung, sondern das fortwährende Verlassen des Vorherigen,…
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„Öffentlicher Nahverkehr“ von Thea Mengeler
Aber Love Stories enden immer da, wo der Alltag anfängt, Seite 33 Judith steigt in einen Bus, nachdem ein intimes Video über sie veröffentlicht wurde, und damit aus ihrem bisherigen Leben zugleich aus. Kein überlegter Rückzug, eher eine Flucht, aus einem Beruf, an dem sie Spaß und mit dem sie gut verdient hatte: Dieses Abtauchen…
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„Wer möchte nicht am Leben bleiben“ von Helene Bukowski
„Bei der Einfahrt in den Bahnhof Lichtenberg verschwindet deine Übelkeit. Mit Nachdruck setzt du deine Füße auf den Bahnsteig, hebst das Kinn, hältst die Hand deiner Mutter, folgst deinem Vater.” (S. 103) Schon in dieser Ankunft steht die Anordnung fest, die den ganzen Roman trägt: einer geht voran, eine hält die Hand, eine folgt. Das…
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„Lori“ von Anousch Mueller
„Ein Geheimnis, das keines mehr ist, wird zur Lüge” (S. 7), heißt es im Prolog von Anousch Muellers Roman „Lori”, und dieser Satz legt bereits die ganze Konstruktion des Buches offen: eine ältere Schwester, von den Eltern totgeschwiegen, an die sich die Erzählerin Helena, genannt Leni, im Alter von acht Jahren dennoch wieder erinnert. Von…
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„Fünf Sechs Sieben Acht“ von Ewald Arenz
„Wer tanzen kann, kann auch stehen.“ S.237 Wir treffen Anton auf der Bühne. Sechzig Jahre alt, und noch hat er es drauf. Der Körper übernimmt, der Kopf leert sich, die Beine tragen ihn durch seinen Tanz, durch seine eigene Choreografie. Es ist sein Element, sein Leben. Und dann ist es vorbei! Nach einer gelungenen Vorstellung…
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„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ von Lilli Tollkien
„Aber ich trage zu viel Wut in mir. Alles was glänzt, mache ich kaputt.“ Ein Roman, der da beginnt, wo das Leben einsetzt: im Körper einer Frau, im Vorsprachlichen, im Ursprungsraum vor aller Erinnerung. Lilli Tollkiens Debüt beginnt im Uterus. Lale wird in eine Welt geboren, die nicht auf sie gewartet hat, und der Roman…
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„Weißer Sommer“ von Eva Pramschüfer
„Alles, was wild und frei ist, ist rot“. S. 73 Es gibt Sommer, die sich entfärben. Die ihre Wärme, ihre Farben verlieren, noch bevor man benennen kann, warum. Eva Pramschüfer, Jahrgang 1997, Journalistin und Debütautorin, nennt ihren Roman „Weißer Sommer” und lässt das Weiß für eine Leere stehen, ein Ausbleichen aller Farben, das schon begonnen…
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„Karacho“ von Susanne Schirdewahn
„Ich lasse das Leben zu.“ S.154 Sie sitzt am Fenster, schaut in die Wolken. Gerade ist er gefallen, dieser Satz: Ich liebe dich nicht mehr. Susanne Schirdewahn setzt ihre Protagonistin in diesem einen Moment aus, bevor alles beginnt. Kein Anlauf, kein Vorzeichen. Nur die Stille nach dem Einschlag. Das ist ganz nach meinem Geschmack, und…
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„Das Glück der Bücher“ von Karin Joachim
Eine Hommage auf die Welt der Bücher und auf die Freundschaft Suchen wir nicht alle das Glück in den Büchern? Wer diese Frage ohne Zögern mit Ja beantwortet, wird hier fündig, wenn auch nicht im Sinne großer Literatur. Das Glück der Bücher ist kein Roman, der stilistisch Wagnisse eingeht oder formale Grenzen verschiebt. Er ist…
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„Hätte ich es vorher gewusst, hätte ich es genauso gemacht„ von Mieze Medusa
„Es ist schwer, mit Gefühlen umzugehen, die in Tsunamistärke durch den Körper rollen.“ Seite 273 Was für uns Lesende als irrwitziges Trainingslager einer endorphinsüchtigen Radfahrerin beginnt, verwandelt sich nach einem etwas hügeligen Einstieg in den Roman, in eine berührende Studie über das Neu-Erfinden in der Lebensmitte. Mieze Medusa, die Meisterin des rhythmischen Erzählens, berichtet von…
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„Die Bärin“ von Daniela Chmelik
„Er wollte nur die positiven Seiten meines Lebens anzapfen, nicht die beschwerlichen, nichts mit Verbindlichkeiten.“ Seite 12 Daniela Chmeliks Die Bärin ist ein sprachlich und emotional forderndes Kammerspiel über Liebesverlust, Selbstzerstörung und weibliche Wut, die sich eher frustriert als kämpferisch zeigt. Dinah, 40, wird nach sechs Jahren offener, aber unausgewogener Beziehung verlassen und fällt in…

