Schlagwort: muss man lesen
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„Salto von Kurt Prödel“
„Nehmen Sie sich kein Leben vor, dass sie ohnehin nicht haben wollen. Seite 232 Schon auf den ersten Seiten atmet einen dieses Buch warm an. Es ist keine demonstrative Wärme, sondern eine leise, beinahe beiläufige Geste der Zärtlichkeit. Die Vater-Sohn-Liebe liegt über allem wie eine Decke, unter der man noch etwas Kälte spürt, denn eine
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„Blender“ von Anke Engelmann
„„Ich war siebzehn und hatte den Rausch entdeckt. Er gefiel mir besser als die Wirklichkeit. Seite 42 Es gibt Romane, die erzählen Geschichte. Und es gibt Romane, die lassen Geschichte fühlen wie klebriges Polyester und den Kopfschmerz nach zu viel Rosenthaler Kadarka. Anke Engelmanns Blender ist beides zugleich: Schelmenroman und Tragikomödie. Der Roman erzählt vom
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„Im Paradies“ von Dorota Masłowska
„Mama geht mit klapperndem Besteck ab, ihre Brauen wollen weg aus dem Gesicht, irgendwohin, wo die Leute weniger bescheuert sind. Seite 9 Dorota Masłowskas kurze Prosa in dem Band „Im Paradies“ kennt keinen gemächlichen Eintritt. Ihre Geschichten umkreisen sprachlich wunde Punkte, die der Lesende nur dann in sich freilegt, wenn er sich nicht allein intellektuell,
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„Der andere Arthur“ von Liz Moore
„Ich habe das Gefühl, Menschen sind erst dann wirklich tot, wenn man nichts Neues mehr über sie erfährt.“ Seite 369 Charlene, 19, betritt voller Stolz den Seminarraum eines College. Sie trägt Rot, Grün und Gelb und „sie sieht aus wie eine Ampel“ (S. 19) . Es ist die Zeit überdimensionierter Schulterpolster, quietschbunter T-Shirts und Schlaghosen;
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„Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen
„Es liegt nun einmal in der menschlichen Natur, alles besser wissen zu wollen als andere, aber beibringen können wir anderen leider nichts, was der Mühe wert ist. Seite 351 Stolz und Vorurteil erweist sich insgesamt als weit mehr als eine Liebesgeschichte mit Happy End. Jane Austen verbindet in diesem Roman Gesellschaftskomödie, moralische Entwicklungsgeschichte und subtile
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„Neben Fremden“ von Eva Schmidt
„Es hatte auch gute Zeiten gegeben.“ (S. 156) -dieser Satz wirkt wie eine nüchterne Bestandsaufnahme und zugleich wie ein Abschied. Er verweist auf ein Leben, das einmal mehr versprach als es nun einlöst, und lässt bereits erahnen, dass die Gegenwart von Verlust und Ernüchterung geprägt ist. Die guten Zeiten liegen hinter der Erzählerin; das Jetzt
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„Miserere“von Helena Adler
„Wenn wir sterben, scheitern wir am Leben. Wären wir unsterblich, scheiterten wir am Tod.“ Seite 63 Begeisterung pur. Überwältigende Sprachlust auf 65 Seiten. Ein Filetstück für alle Literaturliebhaber:innen. Mit Miserere hat Helena Adler ein schmales, zugleich unendlich dichtes Buch hinterlassen – drei Texte, die wie ein letzter, glühender Auftritt wirken. Adler, geboren als Helena Prähauser,
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„Der Gott des Waldes“ von Liz Moore
„Zu viele Generationen mit zu viel Geld“ S. 363 Kaum ein Thriller des Jahres 2024 wurde so einhellig bejubelt wie Der Gott des Waldes. Der Roman galt früh als literarisches Großereignis, als Werk, das Schädel und Herz zugleich beanspruchen sollte. Tatsächlich hinterlässt das Buch einen starken ersten Eindruck. Es ist atmosphärisch dicht erzählt, stark in
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„Treppe aus Papier“ von Henrik Szántó
„Hoffnung ist Liebe, die sich erinnert, Seite 166 Henrik Szántós Roman Treppe aus Papier wagt ein Kunststück, das verblüffend einfach klingt und doch von großer formaler Kühnheit ist. Ein ganzes Haus also die Summe aller Rohre, Steine, Böden, Leitungen erzählt, ein Gedächtnis aus Mauerwerk. Dieses Haus ist Geheimnisbewahrer, denn es hat alles verinnerlicht, was in
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„La Bella Vita – PNR“ von Sibylle Berg
„Anarchie regelt sich selbst.“ S. 117 Sibylle Berg stellt in PNR: La Bella Vita nicht einfach „die Frage nach einer anderen Welt“. Sie legt hier keine klassische Dystopie/Utopie vor und verweigert sowohl eine apokalyptische Kulisse als auch realistische Zukunftssimulation. Stattdessen entwirft sie einen literarischen Stresstest, der die Fähigkeit zur Imagination der Leserinnen und Leser prüft.
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„Prinzessin Alice“ von Irene Dische
„Zeit ist ein Nahrungsmittel wie Wasser und Essen nur sehr begrenzt verfügbar. Seite 72 Was für ein Auftakt! Schon auf Seite acht schlägt Irene Dische das Zelt ihrer literarischen Frechheit auf: „Sie liebte das Leben mit solcher Inbrunst, dass ich nach einer Zeit ekstatischen Betens ihre Beckenmuskeln rhythmisch zusammenzogen. In jenen Momenten war ihr Stöhnen


