Kategorie: Rezension

  • „6 aus 49“ von Jaqueline Kornmüller

    „6 aus 49“ von Jaqueline Kornmüller

    „Glück braucht keine Sieger.“ S. 133 Es gibt Bücher, die flüstern uns eine Welt ins Ohr, und man möchte sich beinahe entschuldigen, wenn man sie ausgelesen hat, weil man spürt, dass man etwas Kostbares berührt hat. Jaqueline Kornmüllers 6 aus 49 gehört zu dieser seltenen Sorte. Es ist die Geschichte einer Frau, die ihr Leben

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  • „mein Vater der glulag die krähe und ich“ von Kaśka Bryla

    „mein Vater der glulag die krähe und ich“ von Kaśka Bryla

    „… allemal bringt das Eingeständnis eines Unglücks nur noch mehr Unglück in sich, …“ S. 152 Kaśka Bryla,s ich-Erzählerin ist schwer an Corona erkrankt.  Seit acht Jahren lebt sie in einem Leipziger Wohnwagenpark mit 35 Menschen, darunter Henrike und Gerhild, um dem Erbe des ehemaligen Realsozialismus nahe zu sein.  Die Atemnot hält sie an den

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  • „Bittersüß“ von Hattie Williams

    „Bittersüß“ von Hattie Williams

    „Meine Trauer war hart, kalt und leise. Sie war leer. Ich war leer. Seite 254 In einer Zeit, in der Machtverhältnisse zunehmend hinterfragt und offen gelegt werden, erzählt Hattie Williams in Bittersüß von einer Beziehung, die still beginnt – und doch von Anfang an ein Ungleichgewicht in sich trägt. Es ist die vertraute Geschichte von

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  • „Das Geschenk“ von Gaea Schoeters

    „Das Geschenk“ von Gaea Schoeters

    „Elefantenhaufen sind Staatseigentum.“ S. 74 Ein Elefant in Berlin. Nicht aus Stein, nicht als Sinnbild – sondern aus Fleisch, Blut und politischer Relevanz. Und es bleibt nicht bei einem. Gaea Schoeters’ Das Geschenk ist kein Roman, der sich artig ins Regal der Gegenwartsliteratur einordnet. Es ist eine literarische Intervention – pointiert, komisch, hochpolitisch. Der Ausgangspunkt:

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  • „Die Ausweichschule“ von Kaleb Erdmann

    „Die Ausweichschule“ von Kaleb Erdmann

    „So zog sich das Trauma wie eine schwarze Schlange durch die Stadt.“ Seite 153 Kaleb Erdmann macht es sich und den Lesenden nicht leicht. Dies vorweg! Die Ausweichschule ist keine lineare Erzählung, kein klarer Bericht über den Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium. Es ist eine spröde, tastende Annäherung an das eigene Erinnern – ein Text, der

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  • „Die Frau als Mensch“ von Ulli Lust

    „Die Frau als Mensch“ von Ulli Lust

    „Von Anfang an liebten Menschen die Farbe Rot“ Seite 99 „Die Frau als Mensch“ von Ulli Lust ist ein opulent-illustriertes Werk, eine bildgewaltige Offenbarung.  Auf überaus kunstvolle Weise gräbt sie tief in die Schichten der Menschheitsgeschichte, um das weibliche Prinzip freizulegen – archäologisch, ikonografisch, erzählerisch. Lust, die mit dokumentarischen Comics wie ihrem Bericht über Halle-Neustadt

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  • „Zeit Ihres Lebens“ von Dirk Gieselmann

    „Zeit Ihres Lebens“ von Dirk Gieselmann

    „ Alle Dinge sind in Ordnung, bis sie es plötzlich nicht mehr sind.“ Seite 30 In seinem Roman Zeit ihres Lebens zeichnet Dirk Gieselmann das zarte Porträt einer Liebe, die sich dem Leben entzieht, ohne sich ihm ganz zu verweigern – eine stille Affäre, die viermal im Jahr aufblüht und ebenso verlässlich wieder vergeht. Die

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  • „Schwarzer Schwan“ von Theres Essmann

    „Schwarzer Schwan“ von Theres Essmann

    „Ich glaube, Paganini hat seine ganze verdammte Seele in das Geigenspiel gepackt.“ Genau, sagte er und dann nichts mehr. Ein schwarzer Schwan zieht seine Kreise – leise, wie ein Schattenriss auf der glatten Oberfläche des Alltags. Theres Essmanns Roman Schwarzer Schwan ist ein zartes, melancholisches Kammerspiel, ein literarisches Adagio über Erinnerung, Musik und das Unverfügbare

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  • „Einfach Literatur“ von Klaus Willbrand und Daria Razumovych

    „Einfach Literatur“ von Klaus Willbrand und Daria Razumovych

    „Ein Antiquar macht das sein Leben lang, bis er nicht mehr kann. Und so wird es auch bei mir sein.“ Seite 202 Dass Literatur nicht nur zwischen zwei Buchdeckeln stattfindet, sondern im Austausch, im Fragen, im Erinnern – das macht dieses kluge Buch spürbar. In Einfach Literatur erzählen Willbrand und Razumovych nicht nur von Büchern,

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  • „Wer die Kohlmeise stört“ von Martina Pahr

    „Wer die Kohlmeise stört“ von Martina Pahr

    „Ab einem gewissen Alter kann man beim Tod nicht mehr von ~plötzlich und unerwartet ~ reden.“ Seite 139 Inhalt – natürlich spoilerfrei: Im beschaulichen Grün zwischen Rankgerüst, Biokompost und Schneckenzaun geht es mal wieder hoch her: Während Valentina eigentlich nur ihren Rucola bestaunen und Friedl giftige Blicke auf Nachbars Nachwuchs werfen will, platzt ein markerschütternder

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  • „Nicht Tot zu sein, ist noch kein Leben“ von Lou Bihl

    „Nicht Tot zu sein, ist noch kein Leben“ von Lou Bihl

    „Nichts macht den Tod erträglicher als neues Leben. Seite 44 Lou Bihls Roman Nicht tot zu sein, ist noch kein Leben ist ein kluges Doppelporträt zweier Frauen, deren lebenslange Freundschaft ebenso nah wie unbequem ist. Die Ärztin Helena und die Journalistin Marlene – oder wie sie sich liebevoll nennen, das doppelte Lenchen – begegnen sich

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  • „Lagerfeld“ von Alfons Kaiser und Simon Schwartz

    „Lagerfeld“ von Alfons Kaiser und Simon Schwartz

    „Die Mode war seine Bestimmung“ Seite 26 In der Graphic Novel Lagerfeld gelingt Alfons Kaiser und dem Zeichner Simon Schwartz ein Kunststück: Sie verwandeln den schillernden Mythos Karl Lagerfelds in eine erzählerische Choreografie aus Text und Bild, ohne ihm dabei seine Rätselhaftigkeit zu nehmen. Was auf den ersten Blick wie eine klassische Biografie erscheint, entpuppt

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