Schlagwort: Gegenwartsliteratur
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„Belly Up“ von Rita Bullwinkel
„Ich muss mit meinem Mann sprechen und mit dem Kochen.“ S. 28 Dieses Buch ist ein Überraschungs-Ei und das einige Wochen vor Ostern. Jede Geschichte dieser Sammlung überrascht entweder durch Stil oder Inhalt, meist sogar mit beidem. Die amerikanische Autorin Rita Bullwinkel, Jahrgang 1989, heute Herausgeberin des legendären Literaturmagazins *McSweeney’s* und Professorin für Kreatives Schreiben
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„Es geht mir gut“ von Jessica Anthony
Sie waren nicht geizig, „abgesehen von ihrer Zuneigung.“ S.37 Ein warmer Novembertag in Delaware neigt sich dem Ende zu. Die Luft ist mild, der Himmel milchig, und Kathy Beckett treibt im Gemeinschaftspool einer etwas heruntergekommenen Wohnanlage. Sie trägt ihren rostroten College-Badeanzug, der in ihre fleischigen Schultern schneidet und dessen Stoff an manchen Stellen bereits etwas
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„Salto von Kurt Prödel“
„Nehmen Sie sich kein Leben vor, dass sie ohnehin nicht haben wollen. Seite 232 Schon auf den ersten Seiten atmet einen dieses Buch warm an. Es ist keine demonstrative Wärme, sondern eine leise, beinahe beiläufige Geste der Zärtlichkeit. Die Vater-Sohn-Liebe liegt über allem wie eine Decke, unter der man noch etwas Kälte spürt, denn eine
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„Im Paradies“ von Dorota Masłowska
„Mama geht mit klapperndem Besteck ab, ihre Brauen wollen weg aus dem Gesicht, irgendwohin, wo die Leute weniger bescheuert sind. Seite 9 Dorota Masłowskas kurze Prosa in dem Band „Im Paradies“ kennt keinen gemächlichen Eintritt. Ihre Geschichten umkreisen sprachlich wunde Punkte, die der Lesende nur dann in sich freilegt, wenn er sich nicht allein intellektuell,
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„Happily“ von Sabrina Orah Mark
„Wie viele Minuten Kindheit haben alle unsere Kinder noch übrig?“ Seite 21 Happily trägt einen Titel, der fröhlich wirkt. Harmlos klingt er und ein wenig märchenhaft. Doch wie bei vielen Märchen, die sich erst im Rückblick als Zumutung für die kindliche Psyche entpuppen, erweist sich auch dieses Buch als Irritation. Happily verstört und es verlangt
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„La Bella Vita – PNR“ von Sibylle Berg
„Anarchie regelt sich selbst.“ S. 117 Sibylle Berg stellt in PNR: La Bella Vita nicht einfach „die Frage nach einer anderen Welt“. Sie legt hier keine klassische Dystopie/Utopie vor und verweigert sowohl eine apokalyptische Kulisse als auch realistische Zukunftssimulation. Stattdessen entwirft sie einen literarischen Stresstest, der die Fähigkeit zur Imagination der Leserinnen und Leser prüft.
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„Die Verdorbenen“ von Michael Köhlmeier
„Steht nicht an jedem Anfang ein Gedanke?“ Seite 16 Michael Köhlmeier geht autofiktional in seine Jugend zurück – und er tut es mit spürbarer Freude. Er lässt uns die verrauchte Luft der Studentenkneipen atmen, das Stimmengewirr, das Flirren jener Jahre. „Eine Szene wie die in der Lokomotive (einer Studentenkneipe) am Marburger Marktplatz ist ein Diamant
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„Verzauberte Vorbestimmung“ von Jonas Lüscher
Zu Jonas Lüschers „Verzauberte Vorbestimmung“ – nominiert für den Deutschen Buchpreis 2025 Wer sich auf Jonas Lüschers neuen Roman Verzauberte Vorbestimmung einlässt, betritt ein sprachliches Labyrinth, dessen Wände aus Wortgirlanden und Reflexionen bestehen. Es ist ein Intellektuellenroman, der in Sphären schwebt zu denen man sich aufmacht ohne leichten Einfluss oder Gegenliebe zu finden. Eine erste
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„Prinzip Ungefähr“ von Caspar-María Russo
„Im Anadraco kaufte ich mir ein Stück Parmigiano Reggiano, 48 Monate gereift, weil ohne Käse verreise ich nicht, dachte ich.“ Seite 17 Caspar María Russos Debütroman Prinzip Ungefähr ist ein Stück Gegenwartsliteratur, das mit Wucht in die Wirklichkeit junger urbaner Existenz crasht, ein ständiges Hin und Her zwischen Absurdität und schmerzlicher Intimität. Ich-Erzählerin Masha, eine
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„Iowa“ von Stefanie Sargnagel
„…man hat einen verständnisvollen Blick auf die Kaputten dieser Welt, wenn man selbst angeknackst ist.“ Seite 77 Ich schlage ich die Seiten des Buches Iowa“ auf und mir entfährt ein lautes – Och nö! Wer hat hier den Sparhebel angesetzt und gemeint, mich mit mikroskopischer Schrift beglücken zu können? Ich habe jetzt schon keinen Bock
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„Jetzt mal was anderes, Schatz“ von Katrin Kremzow
„Ein Quicky ist wie Sahnetorte bestellen, um dann einen Keks zu bekommen. Na, dann nehmen wir den Keks, ist besser als verhungern.“ Seite 71 So ergeht es Rosa, immer wenn sie mit ihrem Stefan einen ehelichen Beischlaf plant, Zwei Minuten, wutsch, alles vorbei. Nur einer ist ins Ziel gekommen, ratet mal wer? Der Plot ist
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„Vom Krähenjungen“ von Sonja Kettenring
„Keiner ist wie alle, sagt er. Jeder ist immer nur er selbst“ Seite 40 Mein Name ist Sam. Im Dorf Moosbruck nennen sie mich den Krähenjungen und verschließen die Türen vor mir. Sie können die Stille um mich herum nicht ertragen. Auch macht ihnen die Kälte Angst und wohl auch meine alten, dunklen Augen. Ich

