Eine Hommage auf die Welt der Bücher und auf die Freundschaft
Suchen wir nicht alle das Glück in den Büchern? Wer diese Frage ohne Zögern mit Ja beantwortet, wird hier fündig, wenn auch nicht im Sinne großer Literatur. Das Glück der Bücher ist kein Roman, der stilistisch Wagnisse eingeht oder formale Grenzen verschiebt. Er ist vielmehr das, was man ein Wohlfühlbuch nennt: berechenbar, warmherzig, nah am Alltag, genau darin liegt seine Stärke.
Im Zentrum steht Lilo Steinbrink, Ende fünfzig, geschieden, immer farbenfroh gekleidet und mit Leib und Seele Buchhändlerin im eigenen Geschäft.
Ein Brief der eine drastische Erhöhung der Ladenmiete verkündet ändert alles. Dazu kommen die ständig gestiegenen Nebenkosten und der schleichende sinkende Umsatz. Lilo macht sich keine Illusionen. Der Buchladen, ihr Lebensmittelpunkt, ist nicht mehr zu halten. Was folgt, ist kein großes Drama, sondern ein leiser, sehr realistischer Absturz: Jobcenter statt Buchbestellungen, Existenzsorgen statt literarischer Empfehlungen.
Mit der neu gewonnenen Freiheit kommt die Einsamkeit. Und mit ihr rückt plötzlich ein öffentlicher Bücherschrank in Lilo‘s Wahrnehmung.
An seiner Entstehung war Lilo einst beteiligt, nun wird er zum Angelpunkt eines neuen sozialen Geflechts. Hier begegnet sie Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, damit Bücher für alle zugänglich bleiben.
Doch auch die Schattenseiten zeigen sich: das Ungleichgewicht von Nehmen und Geben und ein Bücherklau drohen das Projekt zum Erliegen zu bringen. Aus Lilos kleinen Beobachtungen entwickelt sich ein Strudel von Ereignissen, der mehr freilegt, als man zunächst erwartet.
Die Autorin Karin Joachim, selbst vom Schicksal der Ahrtalflut 2021 geprägt, schreibt spürbar aus Erfahrung. Sie weiß, wie fragil vermeintliche Sicherheiten sind, wie schnell alles „den Bach hinuntergehen“ kann. Ihre Figuren sind Menschen von nebenan, mit Sorgen, die man kennt, und Brüchen, die nachvollziehbar bleiben. Das Sterben kleiner Buchläden und die Probleme öffentlicher Bücherschränke werden dabei fast nebenbei zu Spiegeln einer Gesellschaft, die Solidarität gern beschwört, aber nicht immer praktiziert.
Und doch ist dieser Roman vor allem eines: freundlich. Er erzählt von Freundschaft, Zusammenhalt und von der tröstenden Kraft des Lesens. Vieles ist vorhersehbar, das Happy End zeichnet sich früh ab. Aber warum nicht? Das Glück der Bücher liest sich schnell, hinterlässt ein warmes Gefühl und macht keinen Hehl aus seiner Liebe zur Literatur. Man legt das Buch aus der Hand und denkt: genau das richtige Buch für einen verregneten Nachmittag.



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