„Die Altenboomer“ von Denise Buser

„Lachen ist eine Vermählung von Schönheit und Coolness, die man im Alter auf keinen Fall verpassen sollte“. S. 63

Der Essay Altenboomer von Denise Buser ist ein Buch, das seine Zielgruppe nicht umwirbt, sondern kennt und erkennt.

Vom Babyboomer zum Altenboomer: ein Rollenwechsel, der weder heroisiert noch bemitleidet wird. Die Autorin fragt nicht, wie man jung bleibt, sondern wie man alt wird. Und zwar mit Bewusstheit und einer erstaunlichen Lust am genauen Hinsehen.

Altsein erscheint hier als Übung im Wahrnehmen. Ausschlafen als subversiver Akt gegen den Weckerterror, als kleine Freuden die man nicht achtlos konsumieren sonder wie ein Geschenk auspacken sollte.

Das sogenannte „Bächlein-Syndrom“, die Fähigkeit, sich an Nebensächlichkeiten zu freuen, wird zur Überlebenskunst des letzten Lebensabschnitts. Zwischen Tampon und Inkontinenzwindel liegt eine neue Freiheit, die weniger mit Verlust als mit Verschiebung zu tun hat.

Die Autorin denkt das Alter nicht als Bruch, sondern als Teil eines Kontinuums. Lernen, Begehren, Neugier und das Lachen enden nicht mit dem Ruhestand. In Kunst, Politik, Glauben und Alltagsbeobachtungen sucht sie nach Belegen dafür und findet Beispiele. Zugleich aber auch Leerstellen, denn  der alte Körper in der Kunst bleibt eine Rarität ebenso wie die Sexualität. 

Besonders überzeugend ist das Plädoyer für eine Haltung der Relativierung: Muss man reich sein für ein gutes Alter? Nein, aber erfinderisch. Improvisation, Würde, ein Farbtupfer in der Kleidung und ein gerader Rücken, all das kann Selbstwert stiften. Armut, Schmerz, technische Überforderung, Einsamkeit, nichts davon wird in diesem Büchlein beschönigt. Doch ist es weit entfernt von Schwarzseherei. Ein schmerzfreier Tag soll gefeiert werden, wie ein kleines Wunder, Hilfe annehmen als Akt der Versöhnung, Lachen als elegante Verbindung von Schönheit und Coolness preist sie an, denn oft kommt das Lächeln vom Gegenüber zurück.

Das Buch lebt von Bewegung. Die Autorin schreibt wellenförmig, reißt an, zieht mit, lässt los. Manchmal zu früh. Manche Gedanken streunen davon, kaum dass sie Interesse geweckt haben. Nicht alles wird ausgeführt, manches bleibt Skizze.

Altenboomer erschien mir wie ein Kochbuch, indem erklärt wird, wie man die Lebenssuppe verfeinert und sich nicht selbst versalzt. 

Es spricht ungeschönt über das Alter und gibt kleine nachdenkenswerte Anstöße, wie man mit dem langsamen Ausstieg des eigenen Körper begegnen kann.

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