„Fünf Viertelstunden bis zum Meer“ von Ernest van der Kwast

„Heute riecht nach gestern und gestern schmeckt wie vorgestern und vorgestern klingt wie alle Tage davor“.

An diesem einen Tag stellt der Postbote noch genau einen Brief zu, bevor er ins Krankenhaus zur Geburt seiner Kinder gerufen wird. Es ist ein Brief an Ezio. Ein Brief aus seiner sechzigjährigen Vergangenheit. Ein Brief von Giovanna, die er liebte und die ihn erst jetzt lieben kann.

Sie schreibt: „Komm zu mir“.

Für ihn ist es wieder Juli 1945. Er ist jung, liegt dösend mit seinem Bruder am Stand und schaut sich die Frauen an. „Ich sehe einen Nabel“ sagt Ezio und schaut, wie Giovanna aus der Brandung steigt. Sie ist die Verheißung der Venus unwahr und bezaubernd schön. Enzo wird sie ein Leben lang im Herzen tragen. Doch sie will frei sein und so geht er.

Ezio wurde Apfelpflücker und lebt nach dem Lebensfluss der Natur. So nehmen die Monate die Jahre an die Hand und ziehen Jahrzehnte nach sich. „Dann wurde die Luft schmettlerlingsleicht vor Süße“.

Giovanna bleibt. Sie verführt, verstößt und verschmäht und wird dann eines Tages selbst verstoßen mit einem Kind unter dem Herzen, dass dann doch nicht ihr gehören darf.

Wie lange trägt die Liebe? Verharrt sie mitunter über Jahrzehnte hinweg im Verborgenen, eingesponnen in die feinen Fäden der Erinnerung, um eines Tages, wenn die Zeit reif ist, ihren Kokon zu sprengen und mit unerwarteter Leichtigkeit die Flügel zu heben?

Ein kleines Schmuckstück!

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