„Geisternetze“ von Sascha Kokot

„Du wohnst in mir, schöne Katze. In den Nächten wanderst du durch die stillen Räume und beschnupperst meine Gedanken.“ (S. 12)

Mit Geisternetze legt Sascha Kokot einen Gedichtband vor, der durch eine leise, sinnliche Sprache wirkt. Die Texte arbeiten mit konzentrierter Bildlichkeit und übertragen innere Zustände in anschauliche Metaphern.

Noch bevor sich der Sinn vollständig erschließt, stellen sich beim Lesen erste emotionale Resonanzen ein. Die Figur der „inneren Katze“ kann als Bild für einen instinktiven, schwer greifbaren inneren Zustand verstanden werden.

Auch Themen wie Kinderwunsch und die Ambivalenz zwischen Freude und Angst werden aufgegriffen. Naturmotive dienen dabei als Symbolträger für seelische Prozesse.

Lyrik erschließt sich oft weniger über Analyse als über ein intuitives Mitgehen. Die Gedichte laden dazu ein, sich auf eine stille Form der Zwiesprache einzulassen, an deren Ende sich mitunter eine Erkenntnis, mitunter eine offene Frage zeigt.

Kokots poetischer Ausdruck erscheint in freier Versform, reduziertem Syntax und einem zurückhaltendem Ton, der einen fließenden, beinahe schwebenden Rhythmus erzeugt.

Die Gedichte wirken wie Erkundungen innerer Erfahrungsräume, in denen Verletzlichkeit und Geborgenheit eng beieinanderliegen. Der Band kreist um Fragen fragiler Identität, um seelische Erschütterungen und deren Nachwirkungen.

Dabei vertraut er auf die Annahme, dass in der genauen Betrachtung des Verwundeten wie auch des Ganzen eine eigene Form von Trost liegen kann.

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