„… was immer in seinem Leben er auch lenkte, es fiel katastrophal aus.“ (S. 25)
Wer das liest, ahnt nicht, wie oft ihm das Glück in den nächsten Geschichten zuzwinkern wird. Es sind insgesamt Acht Geschichten von einem Familienschicksal.
Sie werden episodisch erzählt. Der schmale Band folgt Leo, einem Mann und den Seinen durch die Wirren des 20. Jahrhunderts, mitten hinein nach Prag und in die böhmische Provinz. Getragen wird all das von einem charmanten, oft schelmischen Ton, den der jüngste seiner drei Söhne anschlägt, in dem der Lesende den Autor selbst wiedererkennt.
Dem tradierten Rollenbild nach ist Leo das Oberhaupt der Familie, ein tüchtiger Vertreter für Electrolux-Staubsauger und -Kühlschränke, dem an Bildung fehlt, was er durch Bauernschläue und einen scharfen Blick für die Schwächen anderer wettmacht. Nur die eigenen erkennt er selten.
Zwei große Leidenschaften sind es, die ihn regelmäßig in Probleme bringen.
Frauen und Fische.
Den Fräuleins ist er nicht abgeneigt, eine Zeit lang gilt seine Verehrung der schönen Frau seines Chefs, später einem gemalten Bild der Lukrezia, die Wirklichkeit der Begierde und ihr gemaltes Substitut liegen bei ihm nah beieinander.
Noch verlässlicher aber kündigt sich der nächste Niedergang der Familie an, wenn der Fisch dazwischenkommt: Sobald das Angeln ruft, ruht die Arbeit, und mit ihr das Auskommen aller.
Seine Frau Herma trägt seine Verliebtheiten mit Fassung, lässt sich davon nicht beirren und hält die Fäden der Familie fest in der Hand.
Die naive Sprache verstellt den Blick dabei nicht auf das wechselhafte Schicksal der Familie.
Die jüdische Herkunft der Familie bleibt zunächst unbenannt, wird erst in der dritten Erzählung von Bedeutung.
Gestern noch war Leo der angesehene Geschäftsmann im amerikanischen Buick, heute ist er der Mann, der mit klapperndem Fahrrad durchs Dunkel schleicht, derselbe Vater, aber ein verändertes, okkupiertes Land.
Dass Herma blond ist und Christin, bewahrt die beiden älteren Söhne nicht vor der Deportation. Bevor die Jungen gehen müssen, will Leo ihnen noch einmal Fleisch, notfalls wenigstens Fisch auf den Tisch bringen. Die Nahrung, soll ihnen helfen, „für die kommenden Jahre, um Theresienstadt, Auschwitz, Mauthausen, die Todesmärsche bei 30° Hitze auszuhalten“ (S. 73).
Mit Glück, einem Freund und dessen Hund gelingt ihm unter den Augen der deutschen Besatzer und unter Lebensgefahr der Abschuss eines Rehbocks, der den Söhnen vielleicht das Leben retten könnte.
.Auch danach verlässt der Text den warmherzigen, oft nostalgischen Ton für die tschechische Landschaft und die Menschen darin nicht.
Leo Popper ist am Ende weder Märtyrer noch Egoist, auch wenn er sich seine Freiheiten nimmt, so rettet er doch das Leben seiner Lieben. Er bleibt, trotz aller Niederschläge ein wahres Stehaufmännchen dessen Leben sein Sohn in warmherziger Sprache und mit spürbarer Zuneigung festhält: „Der Papa wartete auch auf das Glück, und er lächelte immer, wenn er davon sprach.“ (S. 99)



[…] „Dieser Band ist keine späte Gedenkplatte, sondern ein Monsterbrillant aus dem Tiefsee‐Schatz der deutschsprachigen Literatur: 15 Geschichten, die zeigen,…